In den letzten Tagen habe ich viel über die Globalisierung gelernt. Da provoziert eine dänische Provinzzeitung mit Mohammed-Karikaturen. Via Fernsehen erfahren das die sich in Afghanistan neu formierenden Taliban und organisieren geschickt die Wut einiger tausend Menschen am Hindukush. Wieder über Satellit nimmt man bei NATO und EU entsetzt war, wie die mehrjährige Aufbauarbeit in Kabul zerstört wird und verurteilt den Islamismus in scharfen Worten. Das hören die Menschen in Gaza und einige von ihnen zerstören daraufhin mediengerecht europäische Kultureinrichtungen in Palästina.
Das nennt sich Kommunikation im Global Village. Die Welt ist klein geworden, lässt sich mit Bildern rasch umrunden und bildhaft auf das Sensationellste reduzieren. Ein paar hundert Aufrührer in Damaskus oder Beirut haben diese medialen Abläufe längst kapiert, geben ihre Kriegserklärungen gegen den Westen ab und werden dort bereitwillig als die Repräsentanten der ganzen islamischen Welt wahrgenommen. Und weil sie so genauso wissen, wie das globalisierte Fernsehdorf funktioniert, besorgen sie rasch dänische Fahnen - woher kommen die eigentlich alle so plötzlich - und zünden sie an, sobald der Kameramann sein technisches Auge auf sie richtet. Modernste Technik stachelt an zu mittelalterlicher Symbolik.
1, 5 Milliarden Muslime gibt es auf der Welt. Ein paar tausend Krawallmacher in ein paar Städten aber prägen im Zeitalter der telegenen Globalisierung unser Bild von den Muslimen. Und die schweigende Mehrheit verstummt völlig.